Buchempfehlungen

Manchmal fällt man über ein paar Bücher, die man potentiellen Lesern nicht vorenthalten möchte.


Mario Vargas Lhosa: Das böse Mädchen

Ein Junge lernt in einer Großstadt in Südamerika ein Mädchen kennen – und sie kriegen sich nicht. In den nächsten fünf Jahrzehnten wird er sie immer wieder treffen, und der Leser rätselt, ob sich die „Königskinder“ irgendwann einmal kriegen. Das Mädchen ist böse, in einem sehr direkten Sinn, und doch gehören in diesem Spiel zwei zueinander, eine die verwundet und einer, der verwundbar bleibt. Welche Konstante macht das böse Mädchen so attraktiv? Und: kann aus einem bösen Mädchen noch etwas Gutes werden? Dazu braucht man weniger als 300 Seiten.


Christine Gräfin von Brühl: Noblesse oblige

Christine Gräfin von Brühl ist adelig, und dies ist ihr erstes Buch. Den Verlag kann man sich auch merken: bei Eichborn gibt es immer wieder Querdenker zu bewundern.

Der Untertitel heißt: die Kunst, ein adliges Leben zu führen. Was aber erst einmal altbacken klingt, löst sich durch den selbstironischen und lockeren Erzählstil bald in Geschichten und Geschichte auf. Was ein Adliger denn lernen muss: sich benehmen, Walzer tanzen, bella figura machen, und den richtigen / die richtige heiraten. Von Guttenberg lässt grüßen. Wirklich. Adlige Familien, mit vielen Kindern, nicht unbedingt reich („wohnen auf Etage, nicht auf dem Schloss“), und Sparsamkeit, deutliches Sprechen. Urlaub machen Adlige bei den Verwandten, ist doch ein Schloss viel schöner als ein Fünfsternehotel. Man kann es als eine Beschreibung lesen – aber auch als ein Hinweis, welche „adligen“ Tugenden und Fähigkeiten auch dem „Bürgerlichen“ gut anstünden.


Tim O’Reilly und Sarah Milstein: Das Twitter-Buch

Die beiden Autoren des nächsten Buches sind eher Jeans und Sneakers, auch hier ihr erstes Buch. Einer ist Twitters Urgestein, Anmeldenummer 21:

Ich habe keine Ahnung, wie viele in der Klinischen Forschung aktiv twittern. Ich hoffe es ist die Mehrheit. Damit man aber dieses Tool sinnvoll nutzt und nicht im Müll untergeht, gibt es dieses Buch. Bücher sind kondensierte Weisheit, auch dieses. Der Einstieg einschließlich des zugehörigen Jargons wird erklärt, auch wie man zuhört, die Methoden des Mithörens, die Recherche-Tools, und, besonders wichtig: Informationen und Ideen an andere weitergeben. Einige Regeln fürs Twittern geschäftlich (bitte hier extrem zurückhaltend sein!) runden das kleine Buch zu 17,90 € ab.


Renè van Royen und Sunnya van der Vegt: Griechen k

Dies ist ein erfrischendes Buch für jeden, der sich für Geschichte interessiert, dem es aber ab 200 Seiten gruselt. Der Titel ist eine Anleihe an ein andres Buch und hat doch mit jenem so gar nichts zu tun. Zwei Bereiche werden hervorgehoben – Liebe und Krieg. Wer vom Sittenverfall bei uns spricht, darf dieses Buch zur Entspannung lesen – auch damals gab es – wen wundert es – in beiden Bereichen Exzesse. Die Abbildungen sind schwarz-weiß, aber gut ausgewählt. Manches, was die Griechen und Römer so machten, ist der Nachahmung wert – anderes schon weniger (vor allem die Kriegsführung). So schmunzelte ich mich durch das Buch, und ein wenig habe ich das Altertum auch beneidet.




Robert Kegan und Lisa Laskow Lahey: Immunity to ch

Dies ist kein Buch nur für Abteilungs- (oder Bereichsleiter). In drei Teilen (Uncovering a hidden dynamic in the challenge of change; overcoming the immunity to change in organizations, individuals, and teams; over to you: diagnosing and overcoming immunities in yourself and your organization) schildern die aus Praxis und Wissenschaft kommenden Autoren die Werkzeuge, wie man sich dem Beharren nähert. Erfreulicherweise gibt es auch ein Beispiel aus der Pharma-Industrie.

Die bei der „Immunität“ (oder besser Allergie?) gegen den Wandel wichtigen Systeme werden gestreift: das Wissen, das Gefühl (Angst!), und das Wandelvermeidungs-System. In der Analyse unterscheiden die Autoren zwischen dem sichtbaren Commitment, den wirklichen Handlugen, dem verborgenen Commitment („hidden agenda“) und den dahinter liegenden großen Annahmen.

Wandel hat viel mit Vertrauen zu tun, weshalb die Autoren so große Bedeutung legen auf: Respekt vor der professionellen Rolle des anderen; Zutrauen in dessen Kompetenz; Sich-Kümmern um den anderen; Konsistanz zwischen Wort und Tat.

Nach der Analyse folgt (vielleicht zu automatisch für unsere Begriffe) die Tat, nämlich die Bereitschaft, Prozesse oder auch sich selbst zu ändern. Ob es gelingt? Das Buch gibt ein gutes konzeptionelles Rahmenwerk dazu


Atul Gawande: The checklist manifesto – how to get

Es beginnt damit dass wir lernen, dass persönliche Fähigkeiten und ausreichend Training Katastrophen nicht verhindern. Und als Arzt kennt der Autor die zunehmende Komplexität seines Berufs. Aber nicht Ärzte, sondern die US-Luftwaffe soll wohl 1935 die „Checklist“ erfunden haben. Er beschreibt auch den Übergang von den „Baumeistern“ alter Bauwerke zu den Architekten und Bauleitern von Großprojekten. Dort kommt es darauf an, alle Aktivitäten in eine logische Reihenfolge zu bringen – aber nicht nur für die Aufgaben, sondern auch für die „Kommunikationslinien“. Das Leben wird sicherer durch Checklisten, zeigt Gawande an vielen Beispielen, aber Checklisten ersetzen nicht rasches, auch improvisiertes Handeln in Krisensituationen (auch das zeigt er).


Adam Soboczynski: Die schonende Abwehr verliebter

Meinem Kollegen S. Sch. habe ich dies Buch zu verdanken, das meine Abendlektüre im Urlaub war. Der Autor hat ein Dutzend Geschichten, die sich in einer deutschen Großstadt wirklich ereignet haben sollen, nur wenig verfremdet und nach Themen gruppiert. Wer die Philosophen Gracian, Schopenhauer, Montaigne und Macchiavelli kennt, wird sie schmunzeln sehen, ab und zu wird direkt Bezug genommen, vor allem auf Gracian. Es ist kein Flirtratgeber, wie der Titel suggerieren könnte. Es geht um „authentisch wirken“, „niemals perfekt scheinen“, „hin und wieder verletzt wirken“, „einen Kompromiss vortäuschen“ und anderes situationsgerechtes Verhalten. Und es wird in verdaulichen Happen serviert.


Garr Reynolds: presentation zen

Dieses Buch erklärt Powerpoint in gewisser Weise den Krieg, aber es zeigt auch, wie Folien aussehen könnten – wenn der Vortrag dazu stimmt. Es ist eigentlich ein Fortgeschrittenenkurs, denn die Zahl der Zeilen (maximal 7) spielt hier keine Rolle, sondern: der Vortrag zählt, die Folie soll nur die „Highlights“ demonstrieren. Zahllose Beispiele zeigen dies. Die beliebten „pie charts“ bekommen ihr Fett ab, ebenso wie die Animationen. Aber er weit auch auf Seiten hin im Internet, wo man kostenlose Bilder und Motive herunterladen kann. Es sind schlicht schöne Folien, die da gezeigt werden, man könnte neidisch werden – aber: man könnte es genau so machen…oder? Und Techniken der Präsentation liefert das Buch auch noch, in knapp über 200 wunderbar illustrierten Seiten.


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